Rauhnacht 03. Jänner - Achtsam werden!

  

Es ist viel schwerer, den Tag in wahrhafter Aufmerksamkeit und Wachsamkeit von Anfang bis Ende zu verleben, als ein Jahr in großen Absichten und hochfliegenden Plänen.

 

° Christian Morgenstern °

 

In den Rauhnächten öffnet sich das Tor zur geistigen Welt. Aus dieser Zeit stammen viele Geschichten, die von der Begegnung mit Geistern berichten. 

 Aber abgesehen von Frau Percht und den Geistern der wilden Jagd werden auch andere Wesen genannt. Beispielsweise Hexen, zauberkundige Frauen, die vor der Zeit der Christianisierung noch nicht als "böse", sondern vielmehr als Heilerinnen galten, als Frauen mit besonderen Gaben. Oder schwarze Hunde und Werwölfe, die Mensch und Vieh insbesondere in Vollmondnächten bedrohen. Doch auch an guten Geistern mangelt es nicht. So wird in alten Sagen von der Begegnung mit Elfen, Engeln und Feen berichtet. 

 

Ob wir nach einem Zugang in die magische Welt der Rauhnachtgeister suchen oder uns "nur" danach sehnen, tief in den Zauber der Rauhnächte einzutauchen und Kraft daraus zu schöpfen - wir sollten unsere Sinne weit öffnen. Das gelingt jedoch nur, wenn wir achtsam sind. Während der Zeit zwischen den Jahren sind unser Sinne besonders geschärft; dennoch sollten wir uns gezielt darum bemühen, unsere Achtsamkeit zu stärken. 

 

So paradox es klingt: Um Einblick in das Jenseits zu bekommen, müssen wir uns ganz auf das Diesseits konzentrieren. Achtsam zu sein heißt, offen und wach für das Hier und Jetzt zu sein. Es bedeutet, dass wir uns vollkommen für den gegenwärtigen Moment öffnen, ohne ständig zu urteilen oder zu bewerten, was wir wahrnehmen. 

 

Gedanken, Gefühle, Klänge, Erscheinungen, Begegnungen, Stimmungen - sie alle kommen und gehen. Sie bilden den Stoff, aus dem unser Leben ist. Statt über Vergangenes nachzugrübeln oder Pläne für die Zukunft zu schmieden, sollten wir unsere Achtsamkeit daher einfach auf das richten, was in diesem Moment erscheint. Und wenn wir wirklich tief lauschen, schauen und spüren, werden wir nicht nur das Offensichtliche, sondern ebenso das Verborgene mit immer feineren Sinnen wahrzunehmen lernen. 

 

 

Meditation - Achtsam im Jetzt sein

  • Setze dich aufrecht und entspannt auf einen Stuhl oder auf den Boden. Schließe deine Augen und nimm dir Zeit, innerlich zur Ruhe zu kommen. 
  • Lenke deine Achtsamkeit zunächst auf deinen Körper: Wie ist deine Haltung? Kannst du in bestimmten Bereichen deines Körpers eine Anspannung spüren? Gibt es körperliche Empfindungen wie Jucken, Kribbeln, Wärme oder Schmerzen, die dir in diesem Augenblick bewusst werden? Nimm alles so wahr, wie es ist, ohne etwas verändern zu wollen.
  • Lenke deine Achtsamkeit nun ganz auf den Atem. Spüre, wie du ein- und ausatmest Manchen Menschen fällst das besonders leicht, indem sie die Bewegung ihrer Bauchdecke beobachten, anderen, indem sie sich auf das Ein- und Ausströmen der Luft an der Nase beziehungsweise den Nasenflügeln konzentrieren. Bleibe in deiner Aufmerksamkeit für einige Atemzüge ganz bei dieser Wahrnehmung. 
  • Als nächstes lenke die Achtsamkeit auf das Hören. Lausche den Klängen, die von draußen oder aus dem Haus oder aus der Wohnung kommen. Bewerte nicht, was du hörst, sondern lasse alle Klänge durch dich hindurchziehen.
  • Lenke deine Achtsamkeit jetzt auf deinen Geist - die Gedanken und Gefühle. Kannst du bestimmte geistige Bewegungen wahrnehmen? Das können Gedanken an die Zukunft oder Vergangenheit sein, aber auch Bilder, Melodien oder innere Dialoge. Vielleicht tauchen Gefühle wie Angst, Ungeduld oder Freude auf. Was immer es ist - schau nur zu, wie der Gedanke oder das Gefühl in deinem Geist erscheint, die von anderen Gedanken und Regungen abgelöst werden. Halte nichts fest. 
  • Bleibe anschließend noch einige Minuten sitzen, in denen du dich für den Moment öffnest. Was immer du wahrnimmst - ob körperliche Reize, Gedanken, Töne oder Gefühle - lasse es einfach da sein. Wach und achtsam beobachten, mehr gibt es nicht zu tun.
  • Beende die Meditation, indem du tief durchatmest und die Augen öffnest. 

 

Rauhnachtsbräuche und Regeln 

  • Kerzen, die bei Einbruch der Dunkelheit auf den Fensterbrettern aufgestellt werden, vertreiben böse Geister, während gute angelockt werden. 
  • Wenn man die Hühner in den Rauhnächten mit Erbsen füttert, werden sie viele Eier legen. 
  • In den Wolfsnächten darf man keine Schuhe und Stiefel wienern.
  • Bettler und Bedürftige darf man in den Zwölften nie abweisen, sondern man soll sie in die Stube bitten und ihnen Speisen und Getränke reichen.  

 

Quellen:

Das Wunder der Rauhnächte - Valentin Kirschgruber

 Zeit für Rituale

 

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